Brutkästen für Startups: Ein Knäuel menschlicher Beziehungen und mehr

trend_thomas-keupInkubatoren, Acceleratoren und Innovationlabs: Mehr als 30 Programme von Unternehmen und Partnern – wie Startupbootcamp und TechStars – buhlen in Deutschland um die Gunst von Gründern, so die aktuelle Zählung der Leipziger Business School HHL. 25 Programme werden von Firmen betrieben, 10 allein von DAX-Konzernen, erhoben in der repräsentativen Studie der HTW Berlin zum Status Quo von Inkubatoren & Acceleratoren. Was bringen die Programme und was ist notwendig, um gemeinsam erfolgreich zu werden?

2015 wurden mehr als 10 Acceleratoren in Deutschland neu gegründet, summiert die Eliteuni HHL. Zwei Drittel aller “Brutkästen” werden in der Startup-Hauptstadt Berlin betrieben, dazu Hamburg, Frankfurt, München oder Stuttgart. Und die Konkurrenz wird größer: Amsterdam, Barcelona, London, Paris und Krakau – viele Städte eifern Berlin nach, unterstützt von Playern aus Finanzbranche und Industrie sowie staatlichen Wirtschaftsförderern.

Die Zahl professioneller Unterstützer von Technologien & Innovationen steigt – und damit die Zahl von Pitch-Contests, Startup-Classes, Mentoring-Sessions und Demo-Days. Viele Programme starten mehrmals jährlich, schicken Gruppe für Gruppe durch ihre “Design-Garagen”. Zahlreiche Startups bewerben sich auf mehr als nur ein Programm, vergleichen, wer ihnen die besten Bedingungen bietet – finanziell wie ideell.

Der Trend: Externe Startup-Innovationen.

Abgesegnet vom Vorstand und mit den Mitteln für Innovationstandort und Beteiligungen ausgestattet, machen sich Innovationsmanager auf den Weg, interessante Geschäftsideen und Technologien für ihre Unternehmen zu gewinnen. Mit den im Jahr 2016 startenden Innovationlabs von Deutscher Bank und VISA Europe Collab zeigen führende Vertreter der Finanzindustrie, dass der Trend zu externen Innovationen anhält – entgegengesetzt der Annahme der HHL.

Bis zu 1 Mrd. Euro werden in den kommenden 5 Jahren allein von der Deutschen Bank in die fortschreitende Digitalisierung investiert, bringt es die Präsentation zur Strategie 2020 auf den Punkt. Die Zahl der IT-Betriebssysteme soll von 45 auf 4 sinken, 95% aller Fachanwendungen künftig auf virtuellen Serversystemen laufen. Ein Weg, das Ziel zu erreichen: Jährlich sollen 500 FinTech-Startups gescreent werden, um die Bank technologisch auf Vordermann zu bringen.

Das Issue: Ein Gap bei Soll & Haben.

Das Beispiel FinTech zeigt die Sollbruchstelle von Corporate-Startup-Programmen: Am Zukunftsstandort Berlin gibt es gerade einmal 50 FinTech-Startups, bestätigt auch Statista meine Recherche als Co-Founder des FinTech-Stammtisches Berlin. In ganz Deutschland sind es knapp 150 Neugründungen. Die Diskrepanz zwischen Soll und Haben zeigt die Schwierigkeit. Als FinTech-Supporter, Startup-Mentor und Chefredakteur dieses Magazins stellt sich mir die Frage:

Was kommt bei Inkubatoren, Acceleratoren und Innovationlabs unterm Strich raus?

Jedem Startup sei der Erfolg von Herzen gegönnt. Bei Microsoft lernte ich Larissa Lielacher aus Wien kennen. Die junge Risk-Managerin baut mit FlockData im Microsoft Accelerator an der Zukunft von Kursvorhersagen für Aktien. Verleger Masoud Kamali startete im Oktober ‘15 mit “Flying Elefant” ein Inkubationsprogramm für Medien. Als Mentor durfte ich im November die 9 Startups des 1. Batches supporten. Ich glaube, dass die Mealy-App als Plattform für Blogger-Rezepte eine hervorragende Chance für Kooperationen bietet.

Der Trend: Mehr Programme, weniger Ideen.

Wie finden Inkubatoren, Acceleratoren und Innovationlabs zukunftsweisende Startups von der Qualität einer FlockData oder Mealy-App? ‘Business ist nichts anderes, als ein Knäuel menschlicher Beziehungen,’ pointiert der renommierte Chrysler- und Ford-Top-Manager Lee Iacocca. In Zeiten von Messaging und Cloud-Services ist der vertrauensvolle Kontakt zu Partnern wichtiger, denn je. Niemand kann sich mehr als einen Schuss ins Blaue leisten.

Noch bewerben sich auf einzelne Programme mehrere hundert Startups – haben nur 1-2 Hände voll eine Chance auf Support. Die Qualität der Startups schwankt ebenso, wie die der Mentoren. Noch dominieren klassische Vorgehensmodelle mit Beauty-Contest, Pitch-Event, Startup-Classes und abschließendem Demo-Day für die Anschlussfinanzierung. Mit zunehmendem Wettbewerb der “Brutkästen” wächst auch der Druck auf Jurys und Innovationsmanager.

Der Faktor: Austausch & Verständigung

Christoph Fahle, Gründer des Startup-Coworking-Spaces “Betahaus” warnt Unternehmen im Interview mit Gründermetro davor, “wahllos einen Accelerator hinzuklatschen.” Firmen, wie Audi, die Bahn, EnBW, Ergo oder Klöckner haben sich im Betahaus in die Materie eingearbeitet. Aus meiner Sicht gibt es jedoch einen noch entscheidenderen Faktor, der über Erfolg oder Misserfolg der unternehmenseigenen Innovationsprogramme entscheidet.

Dreh- und Angelpunkt ist die erfolgreiche Verständigung über Ziele und Möglichkeiten: Techis und MBAler sprechen eine andere Sprache, als Produktmanager und Vorstände. Die schnelle, direkte Startup-Welt muss mit der strukturierten, etablierten Konzern-Welt harmonisiert werden. Die meisten Konzerne heuern Programm-CEOs an, die bereits erfolgreich gegründet haben. 40 Vertreter trafen sich beim Corporate Startup Summit Anfang Dezember ‘15 im Telekom-Hubraum.

Die Forderung: Bessere Kommunikation

Auf der anderen Seite wird es schwieriger: Leitungsebene, Produktentwicklung, Marketing, Vertrieb und PR müssen in den Innovationsprozess integriert sein. Nur so können Ideen wachsen, Produkte entstehen und Kooperationen fruchten. Die “internen Kunden” gilt es, einzubeziehen – und dabei Sicherheit zu geben. Diese Aufgabe ist eine besondere Herausforderung, da insbesondere das mittlere Management nicht selten eher die Risiken denn die Chancen sieht.

Aus der Erfahrung von mehr als 18 Jahren Kommunikation für große und kleine Unternehmen, Tech-Communities und Tech-Startups bin ich der Überzeugung, dass es vor allem auf die Kommunikation mit den “internen Kunden” ankommt. Die Studie der HTW Berlin fordert im Kern ein Schärfung der Positionierung von Innovationsprogrammen, die deutliche Verbesserung der Kommunikation und die Nachhaltigkeit der Aktivitäten. Das kann ich nur unterstreichen.

Das Ziel: Eine neue Line of Business

Um Innovationsmanagern zu helfen, die Herausforderungen zwischen ihren Unternehmen und Startups zu meistern, habe ich als Kommunikationsexperte ein Whitepaper zum Thema erarbeitet. “Der Erfolg: Trusted Business Relations” beleuchtet aus Sicht von Innovationsmanagern die Needs für Inkubatoren, Acceleratoren und Innovationlabs. Interessierte Firmenvertreter können das Paper kostenfrei per E-Mail (innovations@spreefactory.com) abrufen.

Am Ende des Tages muss jedes Innovations-Programm Ergebnisse liefern: Ob Erneuerung der eigenen Technik, wie bei der Deutschen Bank, der Aufbau neuer Geschäftsmodelle, wie bei Microsoft Ventures oder die Entwicklung der eigenen Branche, wie bei Flying Elefant – alle Programme dienen der unternehmerischen Entwicklung. Im Optimalfall helfen Startups, mit einer neuen “Line of Business” das Geschäft auf die nächste Stufe zu heben.

 

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