The Power of HHL

03-Julia Derndinger

Kurze Vorstellung

Mein Name ist Julia Derndinger, ich bin Serien-Gründerin und als Sparringspartnerin für Unternehmer unter dem Namen
„die Gründertrainerin“ tätig. 

Was hast Du seit dem Abschluss an der HHL erlebt (Gründung, Meilensteine, Herausforderungen, Erfolge)?

Ich war zunächst in zwei Großunternehmen tätig, zum einen im Vorstandsstab für Strategie und Unternehmensentwicklung bei Bertelsmann und zum anderen im Bereich Geschäftskundenmarketing und Kundenbindung bei E-Plus. Danach habe ich drei Firmen mitgegründet und in diese auch eigenes Geld investiert: trendwerk 77, den damaligen Marktführer für Handyanhänger und- zubehör mit Lizenzmotiven; die Kinderspielzeugvermittlung MeineSpielzeugkiste.de; und InSitu, einen digitalen Marktplatz für Zeitarbeitskräfte. Bei imedo, einem Gesundheitsportal für Patienten mit integrierter Arztsuche, war ich zudem zwei Jahre Gesellschafterin und Geschäftsführerin. 

Worauf ich persönlich sehr stolz bin, ist die Gründung und der Aufbau des EO (Entrepreneurs Organisation) Accelerator-Programms. Unter meiner Leitung haben hier über 300 junge Gründer – darunter auch viele HHL Alumni – die 1 Mio. Euro beim Umsatz geknackt. 

In den letzten fünf Jahren begleite ich in erster Linie als Gründertrainerin und Sparringspartnerin viele namenhafte Unternehmer bei ihren Entscheidungen.

Warum ist die HHL Deiner Meinung die beste Wahl, wenn man sein eigenes Start-up gründen möchte?

Sie ist deshalb eine sehr gute Wahl, weil sie divers, international und schlank organisiert ist – und in einer tollen Stadt beheimatet ist. In meinen zwei Jahren Diplomstudium habe ich an der HHL wahnsinnig viel sehr komprimiert gelernt und erfahren und gleichzeitig noch ein Auslandsemester in Indonesien absolviert. Die harte Arbeitsbelastung und der Austausch mit super smarten Kommilitonen hat mich auf die Herausforderungen als Unternehmerin vorbereitet, auch wenn das damals noch nicht mein Plan war. Meine Grundausbildung habe ich vorher an einer staatlichen Uni bekommen. Das war auch vollkommen ausreichend und ich hatte genug Zeit tolle Praktika zu machen. In der Vertiefung und Spezialisierung dann, wo man den entscheidenden Unterschied in der universitären Ausbildung machen kann, war ich auch dazu bereit, für das Extra zu zahlen. Was ich im Nachhinein spannend finde, ist dass die frühen Jahrgänge an der HHL besonders unternehmerische und risikofreudige Menschen angezogen haben, weil die HHL damals eben noch kein „Save Bet“ war. 

Deine drei entscheidendsten Learnings im aktuellen Job??

Ernstes: Richtig gute Leute reflektieren viel, fragen nach Feedback und wollen wachsen. 

Zweitens: Richtig gute Leute sind immer wiss- und lernbegierig.

Drittens: Die meisten Start-ups gehen nicht an der falschen Entscheidung pleite, sondern daran, dass überhaupt keine Entscheidung getroffen wird.

Viertens: Es macht mehr Spaß mit richtig guten Leuten zu arbeiten als mit schlechten. 

Die aktuellen Zukunftspläne?

Ich möchte weiterhin als Gründertrainerin und Sparringspartnerin mit tollen Unternehmern arbeiten und Ihnen helfen, ihre Visionen umzusetzen. Parallel denke ich über die Entwicklung und Realisierung neuer Angebote oder Programme für Gründer und Unternehmer nach, um irgendwann auch skalierbare Angebote zu haben, die sich jeder leisten kann. 

Warum scheitern aus Deiner Sicht die meisten Start-ups?

Immer wieder sehe ich, dass es an klaren Entscheidungen und Verantwortlichkeiten fehlt und die Rollen insbesondere im Gründerteam nicht klar verteilt sind. Dysfunktionale Gründerteams sind meiner Meinung nach das Kern des Problems und es gibt kaum Partner / Coaches / Investoren, die das erkennen und auflösen können. Funktioniert das Team in seinen Rollen und ist synchron,was Werte und Vision angeht, kann gemeinsam ein eventuell noch nicht vorhandenes Geschäftsmodell gefunden werden.

Eine Krankheit, die ich auch immer wieder sehe, ist zu viel Geld, wodurch die einzelne Ausgabe nicht mehr hinterfragt wird oder zu früh skaliert wird, auch wenn der „Proof of Concept“ eventuell noch nicht erbracht wurde. Investoren setzen häufig auf Wachstum und hoffen, zu einem späteren Zeitpunkt ein Geschäftsmodell zu finden. 

Welche Tipps und Ratschläge kannst Du Studenten und angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Just do it! Nicht so viel Bedenkenträger sein und einfach anfangen, ausprobieren, testen, erste Kunden finden und versuchen, bis zum „Proof of Concept“ ohne aufgenommenes Eigenkapital zu kommen. Notfalls empfehle ich nebenberuflich gründen, damit man eine Validierung hat, bevor man gleich Anteile für Geld abgibt. Wenn es nach mir geht, dann sollte man am besten nach Geschäftsmodellen gucken, bei denen kein Eigenkapital aufgenommen werden muss und für das man richtig brennt. Es wird immer wieder Tiefen und Rückschläge geben – das klappt dann bei einem Leidenschaftsthema deutlich besser, diese zu überwinden. Und sorgt für Austausch mit Gleichgesinnten, Mentoren und Leuten, die es schon mal geschafft haben. 

Wie bereitest Du Dich am Sonntag auf eine neue Woche vor?

Ganz unterschiedlich. Häufig nutze ich das Wochenende einfach nur, um zu entspannen und mich mit Freunden und interessanten Menschen zu treffen. Manchmal gehe ich auch sonntagsabends ins Büro, bereite mich auf Termine der neuen Woche vor und arbeite E-Mails ab, die in der letzten Woche liegengeblieben sind. Ein Drittel meiner Arbeitszeit verbringe ich jede Woche damit, Intros und Gefälligkeiten zu erledigen und dem Ökosystem somit etwas zurückzugeben. Davon habe ich zwar nicht unmittelbar etwas, es öffnet mir aber häufig andere Türen und steigert das Karma.

         Vielen Dank für das Interview!