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Rund 80 Gäste testen leckere Lebensmittel-Innovationen

Kreuzlingen – Bier aus Brot, Knödel aus geretteten Brötchen, Fleisch von glücklichen Büffeln und Leckeres aus der Appenzeller Goba-Manufaktur – innovative Food Startups haben sich am Freitagabend, 29.09.2017, in der ersten Kreuzlinger Startup-Lounge „Food“ vorgestellt und ausgetauscht. Die Kreationen kamen an, und das Feedback der rund 80 Gäste macht den Initiatoren Mut, die Startup-Lounge „Food“ 2018 in weiteren Städten am Bodensee wie auch in der Schweiz anzubieten.

„Machen ist wie wollen, nur krasser.“ Sven Beichler weiss, wovon er redet. Der Gründer von mySwissChocolate, einem Onlineshop für individualisierbare Schokolade, hat schon einige Startups gegründet. Vieles habe nicht auf Anhieb oder gar nicht geklappt und als ihn ein grosser Schokoladenhersteller auch noch wegen des Namens verklagte, dachte er, das war’s. Doch ein erfolgreicher Gründer braucht eben nicht nur eine gute Idee, sondern auch Durchhaltevermögen. Nichts kompliziert machen, niemals aufgeben und immer fokussiert bleiben, gab der Unternehmer den Startups als Rat mit auf den Weg.

Der Austausch untereinander ist eine der wichtigsten Ziele des neuen Startup Netzwerkes Bodensee, das die Startup Lounge zusammen mit dem Food-Startup-Portal crowdfoods.com auf die Beine gestellt hat.  „Wir wollen kein anonymes Netzwerk sein, sondern euch Gründer unterstützen“, sagte Philipp Kessler, der die Startup-Lounge mit anderen Ehrenamtlichen organisiert und zusammen mit dem Holidaycheck Mitbegründer Jens Freiter aus Kreuzlingen das Startup Netzwerk Bodensee ins Leben gerufen hat. Kessler ist froh, den Schritt über die Grenze gewagt zu haben. „Das Konzept der Startup-Lounge funktioniert auch in der Schweiz. Wir freuen uns, dass wir so viele Gründer und Interessierte mobilisieren konnten.“

Dass die Startup Lounge nach mehreren Veranstaltungen in Konstanz erstmals auf Schweizer Seite stattfand ist kein Zufall. Das Startup Netzwerk Bodensee will explizit über die Landesgrenzen hinausgehen. „Viele Akteure wissen nichts voneinander, obwohl sie nur wenige Kilometer trennt“, beschreibt Kessler die Situation im Vierländereck. Das wollen wir ändern, indem wir Angebote und Ressourcen von Dienstleistern, Gründungsberatungen, Netzwerken und Investoren an einem Ort verfügbar machen.”

Frank Burose, Geschäftsführer des Kompetenznetzwerkes Ernährungswirtschaft und Teilnehmer der Startup Lounge „Food“ begrüsst die Initiative von Startup Netzwerk Bodensee und des Food-Startup-Portals crowdfoods: „ Die Qualität der Gespräche mit den Gästen dieses Events spricht für sich. Wenn sich Food-Fachleute über die Grenzen hinweg vernetzen, können wir alle gemeinsam nur gewinnen.“

Die rund 80 Gäste im neuen Kreuzlinger Begegnungszentrum „Trösch“ probierten sich durch die Produkte. Ein Trend war die Wiederverwertung von Lebensmitteln, die sonst im Müll landen würden. „Jedes achte Lebensmittel, das wir kaufen, werfen wir weg. Du kannst das ändern“, heißt es auf einem Flyer. Unter dem Motto „rette Brot, iss mehr Knödel“, vermarktet das Konstanzer Startup Knödelkult die Delikatesse aus dem Glas. Nach einer erfolgreichen Crowdfunding Kampagne und zwischenzeitlichen Produktionsengpässen läuft jetzt das Weihnachtsgeschäft erfolgreich an.

Ebenfalls aus Liebe zum Brot entstanden ist das Damn good Bread Beer – das „eifach tamiguete “ Brotbier aus Weinfelden. Pro 100 Liter Bier werden acht Kilogramm Brot verarbeitet. Brot, das nicht verkauft wurde, aber viel zu schade zum Wegschmeißen ist, finden die Gründer, die von Haus aus Müller sind. Von St. Moritz bis Schaffhausen und Kreuzlingen gibt es das Bier bereits in zahlreichen Schweizer Bars und Bäckereien zu kaufen. Ein Online Shop ist in Planung.

Das Gourmetbüffelfleisch von Büffelbill aus artgerechter Tierhaltung hat schon Feinschmecker wie den deutschen Sterneköch Alfons Schuhbeck überzeugt. Die Idee entstand aus einem Zeitungsartikel über den grausamen Umgang der Mozzarella Industrie, die männliche Jungtiere nach der Geburt entsorgt, weil sei keine Milch geben. Recherchen ergaben, dass Büffel hervorragendes Fleisch liefern und auch in hiesigen Breitengraden problemlos in freier Natur gehalten werden können und so einen ethischen Fleischkonsum ermöglichen. Davon konnten sich die Teilnehmer dann auch bei einem spontanen „Live-Cooking“  überzeugen, bei dem neben schmackhaften Mozzarella auch feines Büffelfleisch zubereitet wurde.

Neu erfunden hat sich die traditionsreiche Goba AG aus dem Appenzell, die sich seit 1935 vor allem mit Mineralwasser und Limonaden einen Namen gemacht hat. Mit der Goba Manufaktur Appenzell bringt das Traditionsunternehmen nun handgefertigte Liköre, Bitter, Sirupe wie zu Großmutters Zeiten groß raus. Wer mag, lässt das Ganze in einer individualisierbaren Geschenkbox mit Begleittext im stilvollen Retro Look verschicken.

Leichte Kost gibt es am Stand von Crowdfoods. Die vom Kreuzlinger Mitveranstalter Mark Leinemann und seinem Partner Jay F Kay gegründete Plattform, auf der sich Food-Startups und etablierte Foodwirtschaft vernetzen und Foodliebhaber neue Foodprodukte entdecken können, präsentierte kohlehydratarme Algen-„Nudeln“ des Schweizer Startups simply seagreens, Gewürze von Würzmeister und Soft-Drinks vom Vorarlberger Startup Limomacher, das individualisierbare Limonaden und eine neue Tonicwater-Marke anbietet.

„Wir freuen uns über die positive Resonanz auf die erste Startup-Lounge „Food“ in der Schweiz“, meint Mark Leinemann, „das bestärkt uns, unser Konzept der ersten grenzüberschreitenden Netzwerk-Plattform ausschliesslich für Food Startups in Deutschland, Österreich der Schweiz und Liechtenstein weiter auszubauen.“

Rund ein Jahr in die Pedale getreten ist Felipe Martinez von der Nullkommanix Gastro GmbH. Er hat mit seiner Z´nüni Bühne – eine Art Fahrradkurier fürs zweite Frühstück ­- Kunden in Kreuzlingen und Bottighofen beliefert. Auch für ihre Tapas haben sich die beiden Gründer einen Ruf als Caterer aufgebaut. Demnächst wollen sie nun in der Ostschweizer Gemeinde Wil ein Restaurant eröffnen.

Die Z´nüni Bühne soll trotzdem weiterrollen. Dafür haben die Gründer bereits erfolgreich einen Nachfolger gefunden, der die Idee weitertragen wird. Die Tapas jedenfalls sind lecker, findet Gemeinderatspräsident Daniel Moos, der als oberster Kreuzlinger die Startup-Lounge eröffnete. Er hält Kreuzlingen nicht nur in Punkto Essen für eine gute Adresse. Schließlich hätte die „erste“ Stadt der Schweiz schon im Mittelalter die Konstanzer mit Essen beliefert. Mit der höchsten Akademikerdichter der Ostschweiz gibt es auch jede Menge kluger Köpfe.

Kreuzlingen als neue Zelle für Startups? Warum nicht. Immerhin leben rund um den Großraum Bodensee rund zwei Millionen Einwohner, sagt Daniel Moos. Genug potenzielle Kunden für innovative Ideen.