StartAllgemeinBerliner Gründerszene: Was Solo-Selbstständige beim Geschäftsstart beachten sollten

Berliner Gründerszene: Was Solo-Selbstständige beim Geschäftsstart beachten sollten

Berlin ist Deutschlands Hochburg für Kreative und Gründer. Die internationale Atmosphäre und das große Netzwerk aus in- und ausländischen Unternehmen liefern starke Argumente für ein „Made in Berlin“-Solo-Start-up. Trotzdem sollten wichtige Aspekte wie ein struktureller und rechtssicherer Start in die Selbständigkeit nicht dem blinden Enthusiasmus weichen.

Von der Geschäftsidee zur klaren Positionierung

Wenig überraschend ist der Anteil der Solo-Selbständigen in Berlin überdurchschnittlich hoch. Bei einer Studie der Berliner Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales wurden mehr als 193.000 Solo-Selbständige gezählt, was gemessen an der damaligen Bevölkerung Berlins etwa 11 % entsprach und deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegt.

Viele davon begannen ihre Selbständigkeit wahrscheinlich auf ähnlichem Weg: Indem sie eine erste Idee hatten, diese konkretisierten und damit ein ganz konkretes Problem lösten sowie klare Mehrwerte lieferten. Dazu gehört auch, vorab zu identifizieren, welche Personengruppen überhaupt als „Empfänger“ der Problemlösung und damit als Zielgruppe in Frage kommen. Im nächsten Schritt ist deren Konsumverhalten zu analysieren und einzugrenzen.

Anschließend, was nicht minder wichtig ist, geht der Blick zur potenziellen Konkurrenz. Das Ziel ist, sich von möglichen Wettbewerbern frühzeitig abzuheben und eigene Alleinstellungsmerkmale gezielt hervorzuheben. Deshalb sollten Solo-Selbständige auch nicht direkt mit dem eigenen Logo, Slogan oder Wording beginnen. All das, als Bestandteil der „Corporate Identity“, ergibt sich erst aus der Markt- und Zielgruppenanalyse.

Organisatorische und finanzielle Grundlagen schaffen

Wurde die Idee konkretisiert und die eigene Positionierung festgelegt, geht es an die etwas nüchterneren Aspekte der Selbständigkeit: Das Organisatorische und Finanzielle. Beides ist natürlich von großer Wichtigkeit, denn eine gute Idee allein macht noch keine gute Selbständigkeit. Die Idee kann noch so gut sein, wenn es an festen Strukturen und organisatorischen Abläufen mangelt oder es wirtschaftlich hakt, wird selbst die beste Idee schnell in einem unerfreulichen Ende münden.

Die erste Frage stellt sich nach der geeigneten Rechtsform. Das kann wahlweise ein Gewerbe sein, um beispielsweise mit einer GmbH die Haftungsrisiken zu reduzieren, oder eine Tätigkeit als Freiberufler. Letztere zahlen keine Gewerbesteuer und müssen sich auch nicht beim Gewerbeamt anmelden, wodurch der Einstieg in die Selbständigkeit etwas leichter wird. Falls ein Gewerbe angemeldet wird, dann geht das beim Berliner Ordnungsamt. Anschließend wird es nicht lange dauern, bis auch das Berliner Finanzamt und beispielsweise Berufsgenossenschaften sich melden.

Damit geht es an die finanziellen Aspekte. Kalkuliert werden müssen fixe und variable laufende Kosten. All die identifizierten Kosten sind anschließend den möglichen Einnahmen gegenüberzustellen, auch an Kostenfaktoren wie Steuern und Versicherungen ist dabei zu denken. Rücklagen sollten realistisch kalkuliert werden. Es empfiehlt sich ein Puffer von wenigstens sechs, besser 12 Monaten. Wer als Kleinunternehmer startet, muss zunächst keine Umsatzsteuer erheben, was die bürokratischen Prozesse und die Preisbildung gegenüber Verbrauchern erleichtert.

In jedem Fall ist vom ersten Tag an für eine klare Trennung zwischen privaten und geschäftlichen Ausgaben sowie Kosten zu sorgen. Auch Abläufe, die die Rechnungsstellung und Buchhaltung betreffen, müssen direkt von Anfang an sitzen.

Sichtbarkeit, Rechtssicherheit und Berliner Netzwerke nutzen

Ohne Website geht es heute eigentlich nicht mehr, die muss also erstellt und mit Informationen, Produkten und angebotenen Dienstleistungen gefüttert werden. Auch Kontaktdaten und andere wichtige Informationen bündelt die Website auf übersichtliche Weise für Interessenten und potenzielle Neukunden. Selbst wirtschaftlich kleine Selbständige sind von den geltenden Pflichten, die die Website betreffen, nicht befreit. Sie müssen also ein Impressum und rechtssichere AGB haben. Wer die Ausgaben anfänglich kleinhalten möchte, könnte dafür einen vertrauenswürdigen AGB- oder Impressum-Generator nutzen.

Steht die Website als digitaler Anker, können noch andere Marketingkanäle wie Social Media in Erwägung gezogen werden. Direkt vor Ort in Berlin sollte man den sowieso schon vorhandenen Standortvorteil nutzen. Berliner Netzwerke, Coworking-Spaces, Gründerveranstaltungen und Beratungsstellen können für Neugründer echte Mehrwerte liefern und beim Aufbau des eigenen Netzwerks helfen. Selbiges gilt für Messen.

Diese „Offline-Events“ sollten Berliner Neugründer nicht auslassen, denn genau diese sind ein erheblicher Vorteil und können zudem beim Erfahrungsaustausch helfen. Eine adäquate und ausreichende Vorbereitung, von der Organisation über die Positionierung bis hin zum rechtssicheren Onlineauftritt, ersetzt solche Events aber nicht. Die gründliche Vorbereitung ist weiterhin notwendig.

Autorin: Sandra May, Rechtsanwältin beim Händlerbund

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