StartKommentarDie US-Regierung könnte am Wochenende in den Shutdown gehen. Was nun?

Die US-Regierung könnte am Wochenende in den Shutdown gehen. Was nun?

Ein aktueller Kommentar von Nikolaj Schmidt, Chief International Economist bei T. Rowe Price zum drohenden Shutdown in den USA:

Wie so oft bei der politischen Polarisierung in Washington steht auch diesmal wieder eine Budgetfrist bevor, und die US-Regierung dürfte Sonntagnacht in den Shutdown gehen. Es wird erwartet, dass die Haushaltssperre mit ca. 2 Wochen relativ kurz sein wird. Welche Auswirkungen sind mit ihr verbunden?

Wirtschaftliche Auswirkungen:

  • Aus wirtschaftlicher Sicht dürften die Auswirkungen insgesamt gering sein. Natürlich wird es kurzfristig einen Nachfragerückgang geben, da die Staatsausgaben stark gekürzt werden und die Staatsbediensteten im Urlaub sind. Diese Schwäche wird jedoch wieder ausgeglichen werden, wenn die Regierung ihre Arbeit wieder aufnimmt und die noch ausstehenden Gehälter ausgezahlt werden. Die kurzfristige Belastung beläuft sich auf etwa 0,2 % (AR) des BIP für jede Woche, die der Stillstand andauert.

 

  • Der Regierungsstillstand unterstreicht die Polarisierung und Dysfunktionalität des derzeitigen politischen Systems. Ein Shutdown erhöht die wirtschaftliche Unsicherheit leicht, was sich negativ auf Investitionen und Konsum auswirkt.

 

  • Rating-Agenturen (Moody’s) haben festgestellt, dass die wiederholten Anzeichen von Dysfunktionalität die Kreditwürdigkeit der USA beeinträchtigen. Ich erwarte nicht, dass ein Regierungsstillstand zu einer weiteren Herabstufung des Ratings führen wird. Sollte dies dennoch der Fall sein, erwarte ich, dass die Auswirkungen gering sein werden – allerdings wird dies die zunehmende Unsicherheit verstärken.

 

  • Ein Shutdown der Regierung wird die Veröffentlichung wichtiger Daten verzögern, z.B. des Inflationsberichts und der Beschäftigungsdaten (Lohnsumme außerhalb der Landwirtschaft). Die Umfragedaten der Fed, die Beschäftigungsdaten von ADP und die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe werden jedoch verfügbar sein. Folglich werden die Finanzmärkte und die politischen Entscheidungsträger in einem Datennebel operieren, aber nicht in einem Datenvakuum.

 

  • Der Regierungsstillstand fällt in eine Zeit, in der die Wirtschaft unter einigen anderen Verzerrungen leidet, die zusammengenommen zu einem weichen Datenbild führen dürften. Wir sehen die Rückzahlung von Studentenkrediten, wir haben den Streik der Automobilarbeiter und schließlich werden wir die Auswirkungen des starken Anstiegs der Ölpreise und der Marktzinsen zu spüren bekommen. Während es sich bei den ersten beiden um vorübergehende Störungen handelt, stellen die beiden letztgenannten eine ernstere Herausforderung dar.

 

  • Geldpolitik: Meiner Meinung nach wird die Fed derzeit keine Maßnahmen ergreifen, um eine Lockerung der finanziellen Bedingungen zu unterstützen. Daher wird ein Shutdown der Regierung nicht zu einer dovishen Überraschung seitens der Fed führen. Das Ergebnis der Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) im September war jedoch eine deutliche Straffung der finanziellen Konditionen, und ich gehe davon aus, dass die Fed an ihrer restriktiven Haltung festhalten wird. Dies entspricht in etwa der aktuellen Markteinschätzung.

Auswirkungen auf die Märkte:

  • Bei steigender Unsicherheit neigen Anleger dazu, ihre Positionen zu reduzieren. In der Nacht des Shutdown ist der Markt beim US-Dollar long und bei den Zinsen short im Vergleich zu anderen Währungen. Hinzu kommt, dass sich die Datenlage etwas eintrüben dürfte. Ich erwarte daher, dass der Shutdown zu einer Abwertung des US-Dollars und einer moderaten Rallye am Anleihemarkt führen wird.

 

  • Aktien und Anleihen werden von einer Verschnaufpause beim Ausverkauf der Zinsen profitieren, aber schwächere Wachstumsdaten dürften für Gegenwind sorgen. Unter dem Strich erwarte ich, dass der „Shutdown“ der US-Regierung nur einen geringen negativen Einfluss auf die Aktienmärkte haben wird.

Die alarmierendste Auswirkung des wahrscheinlichen Regierungsstillstands ist, dass er die Dysfunktionalität von Washington D.C. aufzeigt. Dies geschieht zu einer Zeit, in der sich Anleger fragen, ob das sehr hohe Haushaltsdefizit finanziert werden kann. Der Stillstand und die politische Polarisierung fördern weder die Haushaltskonsolidierung noch das Vertrauen der Anleger in US-Staatsanleihen.

Zudem werden steigende Zinsen das Haushaltsdefizit weiter in die Höhe treiben, wenn keine substanziellen fiskalischen Anstrengungen unternommen werden. Ich betrachte den Shutdown der Regierung als ein Symptom an. Das eigentliche Problem ist die politische Polarisierung, die sich in den USA verbreitet hat.

Die US-Regierung könnte am Wochenende in den Shutdown gehen. Was nun?

Foto von Nikolaj Schmidt (Bildquelle: T. Rowe Price)

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