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SHE: Deutscher Pioniergeist (1)

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Anlässlich 25 Jahre deutsche Einheit ein ganz persönliches SHE:

Das Leben ist spannend und noch viel interessanter sind die Sichtweisen eines jeden von uns einzelnen, die zum nachdenken anregen, um wieder neue Ansichten zu bekommen. Ich bewege mich heute auf den Spuren der Vergangenheit und als Thüringer Urgestein trage ich das Herz immer nach aussen.

Es ist wirklich jeder anders und das ist auch gut so, um es mit den Worten unseres ehemaligen Bürgermeisters Wowereit auszudrücken. Ich selber werde oft als sehr speziell wahrgenommen, beziehungsweise bezeichnet. Vielleicht liegt es daran, dass ich in meiner eigenen Welt lebe und mir das bewahre, was viele als nicht mehr vorhanden glauben.

Aufgewachsen bin ich an der Ostsee in Rostock, nahe dem schönen Warnemünde. Bei dem Gedanken gehen vielen die Augen und Ohren über und sofort kommt der Wunsch nach Urlaub auf. Ja, heute pilgert ganz Deutschland nach Mecklenburg Vorpommern, um seinen Urlaub dort zu verbringen. Wer nicht mindestens einmal dort gewesen ist, der hat echt etwas verpasst, so sagt man.

Aber wie ist das eigentlich früher so gewesen?

Als Kleinkind kannte ich meine Familie und habe mich mit dem Umfeld wenig auseinandergesetzt. Es war alles geregelt und hatte seinen Rhythmus. Selbst in der Kinderkrippe oder im Kindergarten habe ich nichts bemerkt. Ich hatte meinen eigenen Kopf und machte was ich wollte, was vielleicht den Erzieherinnen komisch vorkam, weil die Gruppe gerade etwas völlig anderes gemacht hatte.

Das führte dazu, dass meine Eltern mich psychologisch untersuchen liessen und diese aber nichts bemerkenswertes feststellen konnten. Somit besuchte ich die Schule, hatte immer noch einen gleichmässigen Rhythmus, die Familie und zusätzlich die Kinder in meiner Klasse um mich.

Ab dem Zeitpunkt habe ich erstmals reflektieren können, wie ich lebe und wie es anderen Kindern geht.  Offensichtlich hatten viele Schwierigkeiten in irgendeiner Form. Meine Schwierigkeit bestand darin, dass ich mich in dem Gewusel von Kindern behaupten musste, weil ich mich immer irgendwie anders verhalten habe.

Gross und schlank gewachsen, bewegte ich mich in frühen Jahren ganz nach Wunsch meiner Eltern sehr erwachsen. Was aber für jeden auffällig war, und das hiess in der Gesellschaft nichts Gutes, ich ging als Linkshänder durch das Leben. Allein die Tatsache, dass ich Linkshänder war und mir dies aberzogen werden sollte, da es angeblich unschön aussah und untypisch war, machte mich nicht nur stutzig, nein, es fühlte sich nicht richtig an. Ich fühlte mich verdreht.

In der heutigen Zeit ist es absolut lächerlich, für mich war es damals sehr unangenehm. Alleine die blöden Kommentare der Erwachsenen, die immer so respektvoll zu behandeln sind und an denen sich unsereins als Kind orientieren sollte. Dann kommen dennoch so dumme und unüberlegte Argumente. Dabei fühlte ich, dass es für mich richtig ist, wie ich es mache.

Es war für mich selbstverständlich fleissig und ordentlich zu sein. Denn das zeichnete mich als Mädchen aus. Der Junge war zu meiner Kinder/Jugendzeit immer sehr hoch angesehen. Das habe ich zuhause und in der Gesellschaft zu spüren bekommen. Dennoch habe ich, wenn mir etwas nicht gepasst hat den Mund aufgemacht. Das kam nicht so gut an. So hörte ich des Öfteren, „das schickt sich nicht“. Es klingt noch in meinen Ohren.

So lernte ich auch in den frühesten Jahren, mehr auf die Menschen um mich herum zu achten und mich selber weniger wichtig zu nehmen. Da ich sehr selbständig erzogen wurde, konnte ich vieles selber machen. Leider fehlte mir damals die eigene Wertschätzung gegenüber meinen Eltern, die sich für meinen Bruder und für mich immer die Zeit genommen haben. Wir haben jedes Wochenende etwas gemeinsam unternommen.

Selber fand ich es megalangweilig und konnte mich nicht wie heute über Kleinigkeiten freuen. Es war total normal für mich, diese nach aussen perfekte Familienwelt um mich zu haben. Es war alles geregelt. Am Morgen machte meine Mutti oder mein Vati Frühstück für uns und deckten liebevoll den Tisch. So assen wir morgens zusammen und besprachen den Tag was ansteht. Anschliessend sind meine Eltern aus dem Haus gegangen und mein Bruder und ich haben uns für die Schule fertig gemacht.

Tags zuvor haben wir am Abend die Sachen, die wir anziehen werden, rausgelegt bekommen. Mir hat die damalige Mode überhaupt nicht gefallen. Ich fand oft, dass ich total unvorteilhaft aussah. Gross und schlacksig wie ich war, habe ich mich gefühlt wie in einem Sack. Die Sachen hatten für mich wenig, bis gar keinen Schick. Daher machte ich mir mit meinen langen braunen Haaren oft ausgefallene Frisuren, die mein Gesicht betonten und von der Kleidung ablenkten. Ich fühlte mich dadurch gleich deutlich wohler.

Der Schulweg war immer derselbe und der Stundenplan war für die ganze Woche von den Schule vorgegeben. Ich kann mich noch gut erinnern, wie sauber und ordentlich alles mit Füller eingetragen war. Somit hatte jeder eine sehr gute Übersicht, auch zuhause. Davon, dass wir viele Stundenausfälle hatten, kann nie die Rede sein. Im Gegenteil, wenn jemand der Lehrer erkrankte, ist ein anderer Lehrerteil eingesprungen und hat seinen eigenen Unterrichtsstoff mitgeteilt.

Mein Platz in der Klasse war ganz hinten. Ich habe ihn mir selber ausgesucht.  Jeden Morgen wurde die Anwesenheit mit dem Klassenbuch abgeglichen. Die jeweiligen Lehrer vermerkten Besonderheiten für die nachfolgenden Lehrer, dadurch war jeder gut informiert. Wenn es mal etwas ausser der Reihe zu besprechen gab, so gab es in der Schule das Lehrerzimmer, wo auch jeder Schüler hingehen konnte.

Wir hatten sogar Draussen einen grossen Garten für unseren Unterricht.  Das fand ich an der Schule mit am spannendsten.

Zum Mittagessen gab es eine Schülerspeisung für uns Schulkinder. Die war richtig gut. Während die Eltern gearbeitet haben, bekamen alle Schüler Mittagspause und sind hingegangen. Der Stundenplan war extra so konzipiert, dass für jede Klasse diese Zeit mit reingerechnet wurde.

Monatlich wurde ein bestimmter Preis von den Eltern mit DDR-Mark bezahlt, der aber immer noch verhältnismässig gering zum ganzen Angebot war. Ich muss dazu sagen, dass ich schon als kleines Mädchen ein sehr guter Esser war. Immer wenn ich konnte habe ich gegessen und das mit Leidenschaft und Appetit. Daher nahm ich mir auch gerne Nachschlag, wenn es mir besonders gut geschmeckt hatte. Es durfte jeder Schüler soviel essen wie er wollte.

Bevor die Mittagspause war, gab es in den anderen Pausen immer noch die Kurzpause. In dieser Pause konnten sich alle Schüler gegen einen ganz kleinen Geldbetrag Milch beim Hausmeister kaufen. Wie kann ich Euch das beschreiben, damit ihr eine ungefähre Vorstellung habt, wie das war?

Ihr müsst Euch eine kleine quadratische Packung aus durchsichtiger Plastikfolie vorstellen, diese wurde mit einem Strohhalm angeboten.Ich habe diese Milch so gerne getrunken. Es gab drei Sorten davon: Erdbeere, Banane und Vanille. Mein Favorit war natürlich wie heute auch Vanille. Megasüss und wohltuend.

Was weniger schön war, sind die leeren, nennen wir es mal Milchfolien gewesen, die hatten so einen ganz eigenartigen Geruch. Von dieser Verpackungsart gab es auch 1 Liter Packungen Vollmilch im Kaufladen zu bekommen. Diese wurden in einem grossen Zinkbottich angeboten, mit einem grossen Handtuch an der Seite. Dieses Handtuch hat sich jeder Kunde genommen, der aus dem Bottich die Milch mit der geschlossenen Verpackung rausnehmen wollte, ohne die bereits siffigen, kaputt gegangenen Verpackungen anfassen zu müssen.

Das hat oft sehr sauer um diesen Bottich herum gerochen und die Momente fand ich sehr unschön, bis eckelig. Wir haben zuhause alle viel Milch getrunken. Zuhause gab es jeden Tag frisches Essen. Deutsche Hausmannskost wie zu sagen gepflegt wird. Meine Mutti hatte das Händchen dafür und wusste genau wie sie etwas kombinieren kann. Es war immer lecker und reichlich für alle da. Am Wochenende wurde auch immer irgendein Kuchen gebacken. Oft gab es verschiedene Blechkuchen, die dufteten durch die ganze Wohnung.

Wie unsere Wohnung war als ich klein war, weiss ich nicht mehr.  Soweit reichen meine Erinnerungen nicht zurück.

Als Schulkind hatten wir eine grosse 4-Zimmerwohnung. Mein Bruder und ich hatten unser eigenes Zimmer. Es war alles gemütlich eingerichtet und wir hatten unsere Regeln.  Zum Beispiel mussten wir immer unsere Sachen zuhause wechseln. Wir durften nie andere Kinder mit nach Hause nehmen und wenn wir draussen waren, mussten wir immer einen Brief schreiben, wohin wir gehen, mit wem und wann wir wieder zuhause sind.

SHE Teil 2 folgt.

Ich freue mich über Feedback zu diesem sehr persönlichen Artikel von mir.
Eure
Christine

Stefan Knyhttps://www.gruendermetropole-berlin.de
Stefan Kny schreibt über die Themen Acceleratoren und Mobility. Kontakt: stefan(at)gruendermetropole-berlin.de
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