Mobile und Video sind die immer noch bestehenden Trends seit Jahren. Nun steht ein weiterer Begriff im Raum „Live“, der sich perfekt in die Trendbuzzwords einfügen könnte. Die Nachrichten und Blogs sind voll von Meerkat und Periscope. Ich verschaffe mir über Ostern also einen Überblick über die aktuellen Streamingdienste. Alle Apps( Meerkat,Periscope,YouNow und Twitch) lassen sich kinderleicht auf dem iPad/iPhone installieren. Ich schalte mich ein bei:
  • Meerkat (Twitter Account benötigt)
verschiedene Screenshots mit Ausstrahlungsort, Thema des Streams und aktuellen Follower tauchen in der Übersicht auf.
Ich klicke mich durch die ersten fünf:
  1. Ein junger Mann läuft durch ein Museum in New York, er kommentiert was er sieht und beantwortet Fragen, die die Zuschauer ihm stellen. Ebenso geht er auf Wünsche „etwas nochmal kurz zu zeigen“ live ein.
  2. Ein Blick von den Dächern in New York, im Hintergrund läuft Radio.
  3. Ein junger Mann bietet eine Art Photoshop Tutorial an. Der Zuschauer blickt auf den Bildschirm des Monitors und bekommt jeden Bearbeitungsschritt erklärt. Fragen werden via Chat gestellt und beantwortet. Neben mir sehen ihm weitere 34 Follower bei der Arbeit zu.
  4. 52 Zuschauer blicken auf 2 frisch zusammengefaltete Pizza Kartons, die die Telefonnr. des Pizza-Bestelldienstes aus den USA prägnant auf der Seitenfläche zeigen. „Wie macht ihr das mit der Lieferung?“ hört man eine Frau fragen. Die Pizzakartons verschwinden und die Gemeinde sieht den Pizzabäcker, wie er Pizzen belegt und dabei über seinen Lieferdienst spricht.
  5. 285 Follower sitzen am Rechner und schauen einer Bikinischönheit beim Fotoshooting zu. Der Fotograf hat offensichtlich weitaus weniger Interesse ins Web zu kommen und wirkt nahezu vermummt. Viele Likes und Posingaufforderungen an das leicht bekleidete Mädchen dominieren den Stream.
Und so könnte ich noch endlos über weitere Streams bei Meerkat schreiben und  berichten. Mir stellt sich die Frage: Wie sehe ich die anderen Streams, die nicht unter den Top 5 bzw. in der Übersicht auftauchen? Ich suche eine Art digitale „Hörzu“ für die Streams. Auf http://meerkatstreams.com/ (Aggregated Meerkat streams in one place for your viewing pleasure) werde ich fündig.
Nun streame ich selber. Dies ist genauso einfach wie zugucken und ich bin ein wenig stolz als ich binnen Sekunden einen Follower habe,
dieser kam über die automatisch verschickte Mitteilung von Meerkat in meiner Timeline bei Twitter.
  • Twitch – passiv zocken
Wer als Gamer sich stundenlang bei Youtube Videos ansieht, wie andere neue Spiele spielen und diese kommentieren, der ist bei Twitch genau richtig. Ob Grossveranstaltungen oder kategorisiert nach Spielen, hier wird jeder Gamer bestimmt fündig. Je nach Stream wird der Bildschirm auf dem gespielt wird übertragen oder via Splitscreen der Kommentator oder Statistiken zum Spiel eingeblendet.Die Darstellung wirkt sehr professionell.
 
  • Periscope (Twitter Acount benötigt)
ich wähle willkürlich fünf Streams aus:
  1. Nasil sen? fragt der Junge Türke seine Zuschauer, 36 sind es und er winkt in die Kamera. „Say something“ fodert mich Periscope auf und stellt eine Eingabefeld bereit. Es tauchen symbolisierte Herzen auf, die Visualisierung der Likes.
  2. „welcome to france“ ich blicke in einen kleinen Vorstadtgarten, Standbild „Lost Connection, Trying reconnect“ 82 weitere Zuschauer geniessen den idylisch gestalteten Vorgarten.
  3. die Titelankündigung „view from 35 th floor of the Shard“ klingt interessant: die Karte zeigt mir, dass es in London ist. Der Blick lohnt sich. Ein kurzer Schwenk des Streamers auf die eigenen Kinder und dann schweift der Smartphoneblick wieder in die Ferne.
  4. ich scrolle weiter runter und entdecke, dass es auch die Möglichkeit gibt Streams noch 24 Stunden nach aktueller Ausstrahlung zu sehen:“Berlin Party“ ein paar Sekunden aus einem Club in Berlin. Die von der Kamera anvisierten Personen halten Ihre Hand vor ihr Gesicht und der Stream endet auch schon.
  5. Hertha Berlin vs Paderborn, das Video ist seit 20 Stunden im Netz: aus der x. ten Reihe mal nach rechts, mal nach links geschwenkt, die Stadionbesucher und kurz die Hertha Flagge gezeigt, dann endet auch schon die Aufzeichnung
  • YouNow – live aus dem Kinderzimmer
  1. Ein 15 jährige Junge mit Käppi präsentiert sich cool und legger vor dem Rechner in seinem Kinderzimmer. „Bin derbst am chillen, mir ist langweilig“ lässt er seine 50 Live-Zuschauer wissen. Er liest die Fragen ab, die seine Zuschauer interessieren und beantwortet sie. An der Wand das Poster einer Band, das Rollo halb verschlossen.
  2. Ein 14 jähriger mit kinnlagen Haaren sitzt ebenfalls in seinem Kinderzimmer. „Wasch ma Deine Haare, Digger“ liest er vom Monitor laut vor und kontert „habe ich!“ x möchte wissen, wie alt ich bin. Ich bin 14! direkt danach schreibt jmd: Du siehst aus wie 10! „Ich weiss, dass ich aussehe wie 10, bin aber 14! Und nein, ich bin nicht schwul.“
  3. Ein blondes Mädchen um die 15: „Danke X für dein Like, danke Y. Wow mich sehen jetzt 70 People, ein tolles Gefühl, ich freue mich, aber ich habe auch Angst etwas falsch zu machen“. Weitere Livezuschauer liken den Auftritt. „Nein, ich habe keinen Freund“ sagt sie, weitere Fragen werden via Chat gestellt, abgelesen und beantwortet.
Ich schalte frühzeitig ab. Der Inhalt ist aus meiner Sicht an Belanglosigkeit nicht zu übertreffen.Younow ist ursprünglich als Plattform für Musiker entwickelt worden, aktuell scheint sie aber überwiegend von den 14 bis 17 Jährigen in Deutschland als Selbstdarstellungsplattform genutzt zu werden.
Mein 1.Gedanke: Wer Kinder in diesem Alter hat, sollte als Elternteil wissen was im Kinderzimmer passiert!
Mein 2.Gedanke: Selfimania im Kindesalter. Eben noch das Nutellabrot am Frühstückstisch mit den Eltern gegessen, 5 Minuten später im Rampenlicht hunderter Selbstdarsteller und Voyeure.
 
 
Mein Fazit:
Jede Ziegruppe wird bei den aktuellen Streamingdiensten fündig. Live und ungeschnitten hat jeder die Möglichkeit sich und seine Sichtweise in das Netz zu bringen. Professionelle Streamer informieren Ihre Zielgruppe zu welchen festen Zeiten sie senden bzw kündigen diese in einer Art Terminplaner an.
Die teilweise sehr guten Handykameras liefern eine ausreichende Qualität und binnen weniger Sekunden kann man Impressionen aus der ganzen Welt einfangen. Ob ich nun einem Jugendlichen, der bei Starbucks in Dublin sitzt über die Schulter sehe, ein Event aus London live verfolge oder meine Photoshopkenntisse auffrische oder, oder, oder. Das bleibt jedem selbst überlassen.
Sollte sich der Livestream ähnlich wie Mobile und Video in der breiten Masse durchsetzen ergeben sich für den Journalismus neue Perspektiven- unzählige Sichtpersektiven von einem und dem selben Vorfall(Event, Katastrophe, Reportage etc.) und die Möglichkeit stärker denn je mit dem Zuschauer über Livefragen via LiveChat in Kontakt zu treten.
Vermutlich ist nicht jedem der Streamer klar, wer seine Streams aus welchen Gründen auch immer ansieht.
Letzten Sonntag habe ich dann dennoch den herkömmlichen Tatort gesehen, nicht live, nicht ungeschnitten aber massentauglich.
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