DIE LETZTE MEILE BEI AMAZON  

oder: Wie man durch rückwärts denken Zukunftsmodelle schafft

Jedes neue Geschäftsmodell beginnt bei Amazon mit dem Schritt zurück. „Working backwards“ nennt sich der Prozess. Was sich dahinter verbirgt, ist ein Ansatz, der ausschließlich von der Sicht der Amazon Kunden ausgeht: Was möchte der Kunde? Und wie profitiert er von der Idee? – Die kompromisslose Kundenfokussierung oder „Customer Obsession“ ist eines der wichtigsten Führungsprinzipien bei Amazon. Sie hat auch zu neuen Modellen für die so genannte „Letzte Meile“ geführt. Als Letzte Meile wird der Transportweg vom Verteilzentrum zum Kunden bezeichnet. Der letzte Lieferabschnitt ist ein entscheidendes Kriterium für die Kundenzufriedenheit. 

Was der Kunde wirklich will

Was möchte der Kunde, der online bei Amazon.de bestellt? – Kunden wollen kurzfristig bestellen und schneller geliefert bekommen. Flexiblere Modelle und bessere Planbarkeit der Zustellung: Die Bestellung soll zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, auch wenn der Kunde nicht anwesend ist. Innovative Modelle sind gefragt, um das Leben der Kunden leichter zu machen.

Innovationen für die letzte Meile

Von Amazon gibt es einige davon: Die erste Drohnenlieferung am 7. Dezember 2016 an einen Kunden in Großbritannien dauerte nur 13 Minuten. Geliefert wurde ein Fire TV Stick sowie eine Tüte Popcorn. Im Test ist u. a. auch die direkte Zustellung in den Auto-Kofferraum. Möglich wird das durch neue Technologien durch Connected Cars: Durch eine App lässt sich der Zustellvorgang an ein mit dem Internet verbundenes Fahrzeug steuern. 

Andere Modelle für die letzte Meile wurden bereits eingeführt, um die Zustellung für den Kunden flexibler zu machen. 

Teil1 Amazon Flex

 

Seit dem vergangenen Jahr bietet Amazon mit Amazon Flex die Möglichkeit, Lieferpartner zu werden und bequem mit dem eigenen Auto Amazon Pakete auszuliefern und flexibel Geld dazu zu verdienen.

Teil2 Amazon Locker

 

Mit Amazon Locker gibt es für Amazon Kunden seit rund einem Jahr durch diese Abholstationen eine weitere Möglichkeit, die Zustellung zu bestimmen. Mittlerweile gibt es die vollautomatisierten Amazon Locker in zahlreichen deutschen Städten.

Teil 3 Amazon Logistics

2015 wurde mit Amazon Logistics ein neuer Lieferdienst gestartet, um schneller und zuverlässiger die Kundenwünsche für Lieferungen am selben oder am nächsten Tag zu erfüllen. Die Zustellung erfolgt mit regionalen Lieferpartnern.

Teil 4 Amazon E-Mobility

Für eine umweltschonende Zustellung geht Amazon einen Schritt weiter und setzt E-Mobilität um. In einigen Städten kommen so umweltfreundliche E-Cargobikes oder E-Vans zum Einsatz.

Amazon Flex

Ein neues Geschäftsmodell für die letzte Meile: Seit dem vergangenen Jahr bietet Amazon die Möglichkeit, mit dem eigenen Pkw flexibel Geld dazu zu verdienen: Amazon Flex funktioniert über kleingewerbliche Lieferpartner, die Amazon Pakete ausliefern. Das Modell gibt es bislang für Berlin und München. Prime Now Kunden erhalten dadurch auch durch Amazon Flex Lieferpartner Haushaltsartikel oder Lebensmittel innerhalb eines gewählten Zwei-Stunden-Fensters oder sogar innerhalb von 60 Minuten. Für Amazon.de Kunden gibt es für viele Produkte ein Lieferfenster von in der Regel zwei bis vier Stunden. Amazon erweitert damit die Zustellmöglichkeiten für Kunden.

Grundsätzlich kann jeder, der über 18 Jahre alt ist sowie über einen gültigen Führerschein, ein geräumiges Auto und ein Smartphone verfügt, Amazon Flex Lieferpartner werden. Die Fahrer arbeiten auf selbstständiger Basis. Konzipiert wurde das Programm für alle, die auf der Suche nach einem flexiblen Nebenverdienst sind.

Iris Paul ist eine von ihnen. Die 59-Jährige Berlinerin aus Reinickendorf war schon länger auf der Suche nach einem flexiblen Zuverdienst, bis sie auf das Angebot von Amazon aufmerksam wurde: “Ich fand das ideal für mich, weil man die Arbeitszeiten flexibel wählen kann.“ Die gelernte Informationselektronikerin hatte schon mehrere Jobs, u. a. in einem Callcenter. „Seit mein Mann schwer erkrankt ist, ist für mich eine feste Arbeit nicht mehr möglich. Ich kann ihn nicht alleine lassen, wenn es ihm schlecht geht. Dazu kommen auch die häufigen Arztbesuche, zu denen ich ihn bringen muss“, sagt Iris Paul: „Mit Amazon Flex bin ich mein eigener Chef und auch der Verdienst passt.“

Bezahlt wird Iris Paul für die Durchführung fester Lieferblöcke von zwei, drei oder vier Stunden, nicht nach ausgelieferten Paketen: „Die Zeit ist gut bemessen und reicht auch für einen kurzen Plausch.“ Die Infos zu den Touren bekommt Iris Paul über eine Amazon Flex App. Auf ihrem Smartphone kann sie die Aufträge auswählen oder auch 45 Minuten vor Beginn stornieren, falls es ihrem Mann gesundheitlich schlecht geht. Die App zeigt ihr auch die Lieferadressen, sortiert nach der effizientesten Lieferroute. Und für Fragen stehen ihr Support-Mitarbeiter zur Verfügung.