Unverpackt als neue Geschäftsidee?

 

Gastbeitrag

Unverpackt als neue Geschäftsidee?

Derzeit wird über die Lebensmittelverschwendung überall heftig diskutiert. Für die einen ist es ein Luxus, für die anderen eine verwerfliche Situation. Aus dieser kontrastreichen Diskussion entstanden in der letzten Zeit viele neue Geschäftsideen. So sind überall in den großen und kleinen Städten die Unverpackt-Läden zu beobachten, die auch gerne als Zero Waste Shop bezeichnet werden.

Dabei geht es zu einem um die Wertschätzung von Lebensmitteln, im Fokus steht aber auch die Müllvermeidung. In den Zero Waste Shops gibt es alles, was benötigt wird und gleichzeitig kann damit der Müll deutlich reduziert werden. Es geht also darum, Ressourcen zu schonen. Alles wird unverpackt angeboten. Die Menge kann bei vielen Produkten beliebig abgefüllt werden. Es mutet im ersten Moment ein wenig komisch an, wenn Kunden mit eigenen Behältnissen in den Laden kommen, um Cornflakes, Kaffee und andere Güter in Dosen und Gläser füllen zu lassen.

Zero Waste Shops mittlerweile überall

Vor einigen Jahren gab es den ersten Unverpackt-Laden. Seitdem sind die Zero Waste Shops überall zu beobachten. Ist die Nachfrage so hoch, das sich das Gründungsmodell lohnt oder ist es rein der Idealismus, der die Gründer packt? Genaue Zahlen gibt es dazu nicht. Dennoch muss sich eine Geschäftsidee natürlich auch finanziell tragen. Die Banken lehnen Kredite in solche Fällen meistens ab. Crowdfunding ist dann der letzte Weg, um die Gründung eines Zero Waste Shops finanzieren zu können. Nun hängt alles von den Kunden ab. Nur bei großer Nachfrage kann das Geschäft überleben. Ein Zero-Waste-Laden zu betreiben, kann am Ende ziemlich anstrengend sein.

Es zeigt sich, dass solche Shops vor allem in alternativen Stadtgebieten Nachfrage haben, während in anderen Stadtzonen nur wenig Interesse besteht. Die Standortfrage ist bei Unverpackt-Läden also das A und O. Dennoch bleibt die Frage, lohnt sich dieses Geschäftsmodell?

Der Vorteil liegt in der Startfinanzierung. Die Auswahl ist auf das nötigste eingeschränkt, das Mobiliar wird in einigen Läden gebraucht zusammengestellt. Auch das entspricht dem Motto der Nachhaltigkeit, die ja eben in diesen Läden gelebt werden soll.

Düstere Prognose

Am Ende zeigt sich aber, das es um Idealismus geht. Eine gute Idee, um Verantwortung zu zeigen und um die Welt jeden Tag ein Stückchen besser zu machen. Doch das sich eine solche Gründungsidee langfristig tragen kann, bleibt fraglich. Es braucht viele Unterstützer und viele Kunden. So sehr Müll auch eingespart wird, so unbequem ist der Kauf. Immerhin müssen Kunden ihre eigene Behältnisse mitbringen und die Wartezeiten können länger als im Supermarkt nebenan sein. Gleichzeitig gibt es dort auch eine größere Auswahl zu günstigeren Preisen. Alles das spricht gegen die Zero Waste Shops. 

Mittlerweile haben sich ganze Coach-Angebote und Workshops rund um die Zero Waste Shops entwickelt, die Gründer unterstützen soll. Es bleibt dabei zu befürchten, dass die Coach-Anbieter vermutlich die besten Gewinne einstreichen, während die späteren Ladenbesitzer um die Existenz kämpfen müssen.

Die Finanzierung

Die Ladenmiete will gezahlt werden. Viele Gründer sagen ganz klar, dass dieses rein mit Produkten wie Reis oder Getreide nicht möglich ist. Der Geheimtipp sind jedoch Milchprodukte, bei denen die Marge wesentlich höher ist. So bieten viele Zero Waste Shops auch eine Art Café mit an, wodurch der meisten Umsatz und Gewinn erzielt wird. Dann wird das Unverpackt zu einer wertvollen Nebensache und der Laden kann sich unter Umständen selbst tragen. Idealismus steht aber im Vordergrund. Reich wird mit den Unverpackt-Läden niemand.

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