Gastbeitrag

Vier Faktoren für mehr Erfolg im Job für Frauen

von Dr. Friederike Schriner, anlässlich des Weltfrauentags

Faktor 1: Die eigenen Rollen und Werte kennen 
Wir alle haben in unserem Leben eine Vielzahl von Rollen inne: Kollegin, Freundin, Mutter, Vorgesetzte – diese Liste ließe sich unendlich fortführen. Und jede Rolle geht mit bestimmten Erwartungen einher. Die unbewusste Verinnerlichung dieser Rollen kann zu belastenden Überzeugungen führen, zum Beispiel: „Um erfolgreich im Beruf zu sein, muss ich tough sein.“ – „Eine moderne Frau ist berufstätig und Mutter zugleich.” – „Als Frau muss ich mich für andere aufopfern.“ Um herauszufinden, wie der eigene Weg zum Erfolg verlaufen kann, hilft es, wenn sich Frauen zuerst mit diesen verinnerlichten Rollenerwartungen auseinandersetzen. Und sich dann bewusstmachen, wie diese eigentlich zu den eigenen Werten wie z.B. Unabhängigkeit, Fürsorglichkeit oder Erfolg stehen. 

Es ist oft eine große Erleichterung, sich dieses Zusammenspiel bewusst zu machen. Denn nur wer die Einflussfaktoren auf das eigene Leben kennt, der kann es selbst gestalten. Dies gilt für das Privatleben genauso wie für die Arbeitswelt. Aus der Sicherheit, nach den eigenen Werten zu leben, erwächst eine große Stärke. Der Spagat zwischen den Rollenerwartungen ist für berufstätige Mütter besonders spürbar. Auch diese profitieren davon, sich die eigenen inneren Werte und die notwendigen Grenzen sehr bewusst zu machen. Grenzen zu kennen und klar zu setzen, ist der Grundstein für eine sinnstiftende Balance im Leben. 

Faktor 2: Chancen erkennen und nutzen 
Die Veränderungen, die wir unter dem Namen ‚New Work‘ zusammenfassen, bringen neue Arbeitsmodelle, die flexibler und freier sind. Für die Vereinbarkeit von Beruf und Leben ergeben sich daraus neue Möglichkeiten und Chancen. Es ist also der perfekte Zeitpunkt, in der Arbeitswelt Verantwortung zu übernehmen für Dinge, die einem selbst wichtig sind, und nächste Schritte zu wagen. 

Die Rolle der Führungskräfte hat sich in den letzten Jahren geändert. Es ist zunehmend ein anderer Führungsstil gefragt, den wir “Gesundes Führen” nennen. Hierbei geht es um eine innere Haltung. Die Führungsverantwortlichen zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich mit Empathie in die Perspektiven und Bedürfnisse ihrer MitarbeiterInnen hineinversetzen. Sie ermutigen sie dadurch dazu, offen über ihr Erleben zu sprechen und können so gezielter auf die Bedürfnisse Ihrer Mitarbeiter eingehen. Ein entscheidender Faktor ist hierbei Compassion, eine der zukunftsweisenden Führungskompetenzen. 

 

 

Dabei geht es nicht nur um Mitgefühl und Wertschätzung gegenüber sich und anderen, sondern auch um die tiefe Bereitschaft, die eigene Situation und die des anderen wohlwollend verbessern zu wollen. Hierbei kann jeder einzelne als Vorbild vorangehen. Es ist also eine echte Chance, die eigene Empathiefähigkeit als Stärke zu nutzen – gerade für Frauen. 

Faktor 3: Sich trauen Fehler zu machen 
Die Angst vor Fehlern lähmt gerade im Berufsleben die Weiterentwicklung und ist gleichzeitig ein häufiges Thema in Bereich “New Work”. Gerade weil viele Mitarbeiter recht früh viel Verantwortungen übertragen bekommen und nicht mehr im eigentlichen Sinne “angelernt” wurden, besteht eine Unsicherheit darüber, ob man “alles richtig” macht. Kommt dazu noch ein gewisser Perfektionismus, kann dies zum sogenannten ‚Impostor Syndrom‘ führen. Dieses beschreibt die Vorstellung, eigentlich nichts zu können, was bisher nur noch niemandem aufgefallen ist. Damit es niemals so weit kommt, investieren gerade Frauen viel Anstrengung, diese Fassade aufrecht zu erhalten. Hier gilt es, sich mutig zu zeigen und durch potentielle Fehler aber auch Erfolge zu lernen. Statt Fehler unter allen Umständen vermeiden zu wollen, dürfen sich ArbeitnehmerInnen und auch Führungskräfte trauen mehr von sich zu zeigen und den Mut entwickeln ihre eigenen Ängste und Herausforderungen selbst in die Hand zu nehmen. 

Faktor 4: Netzwerke bilden 
Über Austausch mit anderen lernen wir. Konstruktives Feedback ermöglicht persönliche Weiterentwicklung und damit auch Wachstum. Möglich wird es, in dem wir offen und achtsam miteinander umgehen. Nur durch eine klare und wertschätzende Kommunikation von Erwartungen und respektvolles Feedback entstehen Teams. Unterhalten Sie sich mit KollegInnen darüber, wie Sie gemeinsam die Teamarbeit verbessern können. In der Zukunft werden soziale Faktoren immer stärker für den Erfolg eines Unternehmens entscheidend sein. Suchen Sie sich MentorInnen, Gleichgesinnte und Andersartige und sprechen Sie über Ihre Erfahrungen. In dem wir neugierig sind auf andere Menschen, können wir von Ihnen lernen. Entwickeln Sie Visionen und gestalten Sie mit. Ihre Stimme ist bedeutsam.

 

Fazit: Eine Arbeitswelt mit dem Faktor Frau 
Die hier aufgeführten Faktoren sind keine einmaligen Entscheidungen. Sie sind vielmehr die Startpunkte für einen Prozess, in dessen Verlauf sich die Arbeitswelt und die Rollenvorstellungen ändern werden. Um die Arbeitswelt der Zukunft aktiv mitzugestalten, brauchen Frauen Mut und Selbstbewusstsein. Machen Sie sich bewusst, welchen Weg Sie persönlich gehen möchten, losgelöst von Erwartungen, die Sie sich selbst oder andere an Sie herantragen. 

Und vor allem: Bleiben Sie sich selbst treu. So entsteht Freiheit und schließlich auch ein Gefühl der Authentizität – im Arbeitsleben, aber auch in allen anderen Lebensbereichen. So werden Sie erfolgreich sein – auf Ihre eigene Weise. Und zum Vorbild werden für andere, die diese Authentizität spüren. 

Über die Autorin
Dr. Friederike Schriner ist Psychologische Psychotherapeutin und Head of Coaching bei dem Berliner Start-Up VIVELIA. Führungskraft und Mutter zweier Kinder kennt Sie die Herausforderungen von Frauen im Alltag sehr genau. Sie diskutiert anlässlich des Weltfrauentages am 8. März, welcher erstmalig als arbeitsfreier Feiertag in Berlin gilt, über die Erfolgsfaktoren für eine bessere Arbeitswelt für alle – aber vor allem für Frauen.