Crowdfunding und Crowdinvesting als relativ neue Formen der Projekt- und Firmenfinanzierung lassen nach etwa 3 Jahren hohen Wachstums auf dem deutschen Markt mit einem Gesamtfunding von ca. 20 Mio. Euro in 2013 (zum Vergleich: Kickstarter konnte seit 2009 insgesamt schon 1 Mrd. USD einsammeln, davon 21 Mio. aus Deutschland und mehr als die Hälfte erst im letzten Jahr) folgende Tendenzen erkennen:

  1. Zusammenwachsen der 4 Ausprägungen (donation, reward, lending und equity based). Typische reward-Plattformen wie Startnext oder FundedByMe machen nun auch equity based Crowdfunding (= Crowdinvesting), indem sich ihre Investorencrowd mittels partiarischer Nachrangdarlehen wie bei Seedmatch und companisto beteiligen kann. Innovestment mit seiner Techie-affinen Crowd ist als einzige der Top 3-Plattformen bei der stillen Beteiligung mit der 100k-Deckelung durch die BaFin geblieben.
  2. Zunehmende Hybridfinanzierungen von Startups. Will sagen: FFF-(= Family, Friends & Fools) und BA-(Business Angel)Seedfinanzierung, danach Crowdinvesting (CI) und schließlich VC (Venture Capital), wobei sich VC und CI durchaus in der Reihenfolge abwechseln können, um die Kundenbasis und Bekanntheit durch CI gezielt zu erweitern, auch wenn die CI-Summe oft lange nicht an die VC-Summe heranreicht.
  3. Immer höhere Fundings. Zuletzt 1,25 Mio. USD für die 360-Grad-Wurfkamera panono (indiegogo). Aber auch AoTerra (1m) und Wonderpots (500k) waren über 100k.
  4. Deutliches Interesse der Banken und Wirtschaftsberatungsgesellschaften. Nicht nur die Beteiligung der Volksbank an der Bergfürst AG zum „Lernen“ ist erstaunlich, sondern auch Banker-Aussagen wie: „Bald werden wir 20% aus der Crowd als Eigenkapitalersatz akzeptieren, um noch 80% der Finanzierungssumme als Kredit oben drauf zu packen – schließlich ist ja der Marktbeweis durch die Crowd erbracht.“
  5. Zunehmende Anzahl von branchenspezifischen Plattformen. Hier sind besonders die grünen Modelle auffällig: Crowdenergy aus Berlin, Green Crowding aus Köln, Bettervest aus Frankfurt und Econeers aus Dresden.
  6. Öffnung des Instruments auch für den längst etablierten Mittelstand. Hier werden sicher Plattformgebühren (6-10%) gegen Kapitalzinsen (3-7% bei Förderkrediten) gerechnet (spricht eher für die Banken), aber es reizt auch, den Markt der Firmenanleihen nun auf viele neue Schultern, die der Crowd nämlich, auszuweiten.
  7. Internationalisierung. Nicht-deutsche Plattformen (Kickstarter, indiegogo, FundedByMe etc.) drängen auf den deutschen Markt, deutsche (companisto) nach Europa und in die Welt.

Crowdfunding/-investing ist also angekommen im Koordinatenkreuz der etablierten Firmenfinanzierer und zunehmend auch der privaten Überzeugungstäter. Es ist daher durchaus denkbar, dass die Schwarmfinanzierung bald Eingang in die Förderinstrumentarien und Finanzierungsmodelle von Geschäftsbanken finden wird, z.B. indem Banken sich ein eigenes CI-Portal anschaffen, VCs diese in ihre Portfolios mit aufnehmen oder branchenerfahrene Business Angel mit größeren Tickets zu gefragten und beworbenen Leadinvestoren innerhalb einer Crowdinvestingkampagne werden.

 

© Thomas Andersen 2014