Let´s go

Pinar del Rio

Zuhause verabreden wir uns gerne und erwarten von der verabredeten Person ebenso eine gewisse Pünktlichkeit. Jedenfalls ging es uns auch in Kuba so.  Wir hatten den Eindruck, dass es bei uns viel mehr im Blut zu stecken scheint, eine gewisse Disziplin an den Tag zu legen, als es bei den Kubanern der Fall ist.  Bei uns würden die meisten sagen:
„Reine Erziehungssache“.

Dafür haben die Kubaner das Temperament, welches von Anfang an in den Genen eines jeden steckt. Das merkten wir auch in der ersten Nacht. Gut geschlafen haben wir weniger.  Am Abend zuvor hörten wir noch lange Musik- und Motorgeräusche aus der Garage, die direkt  hinter unserem Zimmerfenster lag. 

Frisch geduscht am nächsten Morgen sagten wir im Zimmer um acht Uhr zu uns: Lasst uns frühstücken gehen, bevor es weiter geht und wir unsere Route fortsetzen.

Aus dem Zimmer herausgekommen stellten wir eine gähnende Leere fest und es war kein Mensch weit und breit zu sehen. Wo war das Gewusel der vielen Leute hin und wo die zwei Hunde, die sich gegenseitig am Vorabend noch die Ohren ausleckten. Ja, das war ein Spektakel und das erste Dinner in einer Casa war wirklich lecker. Der Papa von Stefan hat sich für Hähnchen entschieden, weil er kein Fisch mag. So war es für Stefan und mich ein Gedicht die Langusten zu essen. Es wurde wirklich reichlich aufgetischt, dass keiner hungrig vom Tisch gehen musste.

Aber nun war weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Hmm, dachte ich mir, die schlafen wohl noch. Der Papa von Stefan kannte da nichts und rief ganz laut HAAAAAAALLO. Man muss dazu sagen,  das Hans-Jörg mit seinen dreiundsiebzig Jahren die treibende Kraft bei uns dreien war und da wir um acht Uhr verabredet waren, sagte er verärgert: das ist nicht in Ordnung, dass sie uns warten liessen. Gut dachte ich mir, was können wir tun, sie aus den Betten scheuchen? Schließlich öffnete sich eine Tür ein paar Zimmer weiter von unserer Zimmertür entfernt und die Tochter des Hauses trat in ihrem Nachtkleidchen völlig verschlafen hervor. Schnell merkte sie, dass wir warteten und begab sich im Morgenmantel in Windeseile in die Küche. In der Zeit während wir warteten, erkundeten Stefan und ich die Gegend vor dem Haus. Jetzt war es die beste Zeit. Es war überall Tageslicht und wir konnten erstmals alles richtig im Hellen sehen. 

Zu unserem Erstaunen entdeckten wir neben unserer Casa ein Museum, welches uns der Sohn aus der Casa bereitwillig mit seinem Schlüssel öffnete. Es erstreckte sich vor uns ein riesiger Park mit Dynosauriern aus einer Art Pappmaché die lebensgross und zum Greifen nah vor uns standen. „Das ist noch nicht Alles“ gab uns der Junge mit dem dicken Schlüsselbund in den Händen zu verstehen, „Seht her!“ und öffnete eine weitere Tür mit ausgestopften Tieren. Wir kamen uns vor wie in einem Zoo. Nur mit dem Unterschied, dass die Tiere keinen Laut mehr von sich geben konnten.

Faszinierend standen Stefan und ich da und versuchten mit dem Auge so viel wie möglich aufzunehmen. Wir haben dabei fast völlig vergesen, das Hans-Jörg und möglicherweise das fertige Frühstück auf uns warteten. Immer noch fasziniert von der Vielfalt machten wir ein paar Fotos von den präparierten Tieren, Fossilien, Schmetterlingen und anderen ausgestopften Wesen und gingen zurück, gefühlt in den Hausschuhen, nach nebenan zu unserer Casa.

Leicht verärgert machte uns Hans-Jörg die Tür auf. Wir hätten ja mal Bescheid sagen können, das hätte ihn auch interessiert meinte er. Stimmt, haben Stefan und ich zustimmend festgestellt. Nachdem die Tabakfabrik und die Destillerie in der Gegend von Pinar del Rio schon geschlossen hatten, wäre das auch für Hans-Jörg interessant gewesen. Einen Augenblick fühlten sich Stefan und ich wie kleine Kinder, die nicht darüber nachgedacht haben. „Desayuno“ hörten wir nur von der Terrasse und zugleich gingen wir wie am Vorabend zu dem Tisch auf der Terrasse neben der Wäscheleine.  

Uns erwartete ein köstliches Omelett mit süssem Weissbrot und vorneweg gab es Jugos (Saft aus Guave, Papaya und Ananas) zum Trinken und frisch aufgeschnittenes Obst. Es war ein wirklich schöner Start in den Tag. Die ersten Sonnenstrahlen blinzelten uns an und Hans-Jörg trank seinen Cafe, um den Tag zu beginnen. Für Stefan gab es Manzanilla, Kamillientee zum Trinken und der war sogar Bio zu unserem Erstaunen. Nicht schlecht dachten wir uns. Diesen Menschen in dieser Casa geht es gut. Sie machen das Beste aus Ihrer Situation. Ich habe nur Saft getrunken und fand ihn sehr köstlich. Er schmeckte süss, milchig, einfach perfekt zum Wegschlürfen und um sich zu stärken. In Gedanken machten wir die Rechnung, die uns erwarten wird und Hans-Jörg bezahlte für die Übernachtung mit dem Essen zusammen 75 CUC. Die Abreise ging dann schneller als gedacht. Stefan holte das Auto aus der Garage und ab ging die Post mit uns Dreien. 

 

Vor uns liegen 3 Wochen mit dem Mietwagen quer durch Kuba.

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