FoodStartups –
quo vadis?

Im Dezember hat sich der länderübergreifende Foodverband gegründet, kommenden Februar findet die 1.Food-Konferenz für Deutschland, Österreich, Schweiz und Liechtenstein statt. Ein Interview mit Mark Leinemann, Präsident des Crowdfoods-Verbands und Veranstalter des FoodSummit19.

Interview

FoodStartups- quo vadis?

Welche Ziele verfolgt der länderübergreifende Verband?

Wir wollen die einzelnen lokalen und regionalen Aktivitäten für Food und Agro Startups in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein (DACHLI) in einem Verband bündeln und eine gemeinsame vertikale Plattform für die Lebensmittelwirtschaft schaffen, auf der sich Startups, Produzenten, etablierte Foodwirtschaft, Händler, Investoren und Forschung vernetzen und austauschen können. Wir agieren hierbei länderübergreifend, da der DACHLI Raum wirtschaftlich meist als ein Markt betrachtet wird. Ziel ist hier den Startups im Food und Agrosektor eine gemeinsame Stimme im Markt zu geben, aber auch die etablierte Foodwirtschaft mit ins Boot zu holen.

Am 21. Februar veranstaltet der Crowdfood Verband die 1. länderübergreifende Foodkonferenz. Welche Themen werden behandelt?

Der Foodsummit19 bietet einerseits eine breite Palette an inspirierenden Vorträgen, vom Startup Markt allgemein, über Foodtech Cases bis hin zur Foodproduktion. Am Nachmittag gibt es dann Break out Session mit Praxisbezug, also Seminare zur Wissenvermittlung. So wird in der Session Food & Handel konkret von einem Händler erläutert, welche Anforderungen ein Startup erfüllen muss, um überhaupt ins Regal zu kommen. Und bei der Session CrossBorder Sales gibt es praktische Tipps zum Thema grenzüberschreitender Im- und Export. Insgesamt haben wir 16 Speaker und Sessionmacher aufgeboten, die ihr Wissen umfangreich teilen werden. Mehr dazu findet sich auch hier im Programm
https://startup-bites.com/foodsummit19/speaker-programm-der-foodsummit19/

Ganz konkret:
FoodStartups haben ganz unterschiedliche Probleme. Ein Getränke-Startup sucht sehr lange einen geeigneten Abfüller, der auch kleine Mengen produziert. Ein veganes Milch-Startup will mittels Proteinen möglichst nah dem Milchgeschmack kommen und letztendlich ist die Vermarktung das A&O auch für Food Startups. Wie kann der Verband in diesen drei Fällen ganz konkret helfen?

Wir haben bereits jetzt ein sehr heterogenes Netzwerk von Lohnproduzenten, Startups, Händlern, Foodentwicklern, Vermarktern, Forschern und Distributoren etc. geschaffen, was Startups nutzen können. Wir helfen hier einerseits auf Anfrage als Tippgeber, Empfehler und Verknüpfer, anderseits können die Startups auch untereinander Erfahrungen austauschen. Mittelfristig ist geplant eine Datenbank und Plattform zu schaffen, auf der dies direkt digital passieren kann. In dieser Plattform können Startups einerseits schnell nach passenden Abfüllern oder Händlern suchen, andererseits finden Investoren und Startups schneller zueinander. Bisher passiert dies meist noch mühsam und zeitaufwendig via Googlesuche. Das spannende ist hierbei vor allem die internationale Verknüpfung von Experten und Know how: Es gibt engagierte Gründer in Berlin, doch das Wissen z.B. in der Lebensmittelforschung sitzt an der ETH in Zürich – unser Verband bringt beides zusammen.
Zudem sind eine Fülle von Weiterbildungsmassnahmen geplant, etwa Seminarangebote und Online Tutorial. Konkret im Fall des veganen Milchstartups könnten die Gründer z.B. in der Schweiz mit ihrer hohen Expertise im Bereich Milchtechnologie die passenden Experten finden, um ihr Produkt zu entwickeln oder zu optimieren. Im Falle der Abfüllersuche lohnt sich der Blick z.B. auch über die Grenze, denn die Lohnproduktion in der Schweiz und Österreich ist nicht teurer als in Deutschland und für Zollgrenzen gibt es einfache Lösungen. Und in Bezug auf Marketing finden schweizer und österreichische Startups geeignete Marketing Experten und einen grossen und innovativen Testmarkt z.B. im “digitalen” Berlin.

Wen kontest Du als Speaker gewinnen?

Um nur ein paar Beispiele zu nennen: wir haben mit Daniel Böhi einen erfahrenen Kenner der internationalen Foodbranche wie auch der Food Startup Szene gewinnen können, er ist Direktor des Founder Institutes und selbst als Investior aktiv. Mit Lukas Neuß kommt jemand vom renommierten Makerspace Kitchentown und teilt sein Wissen zur Foodproduktion. Ferner wird Oliver Stahl als Gründer von seinen Erfahrungen beim Aufbau und Verkauf eines Startups berichten. Alexandra Lüscher zeigt am Beispiel von “Emil Frei”, wie man einCorporate Startup aufbaut. Last but not least ist sicher der Vortrag von Chantal Schneidereit zu dem Food Startup Regal der real GmbH spannend. Sie sucht – wie auch der eine oder andere anwesende Investor – auf der Konferenz aktiv nach Food Startups

Welche Stärken siehst Du in den einzelnen Ländern?

Deutschland hat eine Menge interessierte und engagierte Gründer, speziell im “Real Food” Sektor, aber auch im digitalen Foodtech Bereich, wenn es um eCommerce und Marketing Lösungen geht. Die Schweiz hat dies zwar auch, doch ist hier noch wesentlich mehr Expertise im Bereich in der Lebensmittel- und Agratechnologie vorhanden durch die international renommierten Hochschulen wie die ETH Zürich, ETH Lausanne oder die Hochschule in Fribourg. Schweizer Konsumenten bevorzugen zudem qualitativ hochwertige Produkte, bestellen mehr Food online und sind bereit, gutes Geld für gute Qualität zu zahlen. Gleiches gilt auch Liechtenstein und für Österreich. Die Alpenländern haben zudem aufgrund ihrer Topografie eine höhere Affinität zu höherer Innovation. Bei begrenzter Fläche und kleinerem Markt ist hier – ähnlich zu den Niederlanden – zwangsläufig eine Notwendigkeit zu mehr Effizienz gegeben. Deutschland hingegen ist für alle Startups aus dem Alpenraum als grösserer Massenmarkt interessant, vor allem wegen der für Startups nötigen Skalierungseffekte, aber auch aufgrund der Kosten als zweiter Produktionsstandort.

Wie gut ist die FoodStartupSzene in Europa im weltweiten Vergleich aufgestellt?

Wir haben hier einiges gegenüber den USA und Asien aufzuholen und müssen schauen, dass wir hier nicht wieder den Anschluss verlieren, wie etwa schon im IT und Biotech Sektor. Es gibt zwar eine Vielzahl von Startups wie auch einzelner Aktivitäten in Europa und im DACHLI Raum, jedoch ist nichts vernetzt und vieles nur aus rein nationaler Sicht gedacht. Das müssen wir ändern, um nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten. Zudem gibt es zu viele Startups, die rein auf echtes Food setzen und wenig auf Foodtech oder Agrotech. Wir brauchen mehr Startups wie etwa den Impossible Burger aus den USA. So schön auch der x-te vegane Schokoriegel sein mag, er ist foodtechnisch eben keine echte Innovation, sondern eher eine reine Marketinginnovation, die uns im Markt wenig voranbringt. Daher müssen wir Hochschulen mit echtem Food know auch besser mit Gründungswilligen international vernetzen, z.B. Lebensmitteltechnologen in der Schweiz mit digitalen Marketingexperten in Berlin.

 

Vielen Dank für das Interview.

Infos zu der Konferenz am 21.Februar